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Die Hyperbel als Einzelwort

“Jeder Text besteht aus einer Reihe semantischer Einheiten, die gegen andere austauschbar sind.” (Plett 1991, S.70) Entsprechende Formen dieses Austausches werden unter die Stilkategorie der Tropen subsumiert. (vgl. Plett 1991, S.70) Wie im theoretischen Teil dieser Arbeit bereits abgehandelt, charakterisiert Plett dabei die Hyperbel als “Ersetzung des dem Gegenstand “angemessenen” durch einen übertreibenden Ausdruck.” (Plett 1991, S.76)

Dieser einem Gegenstand angemessene Ausdruck kann dabei Eigenschaften eines Sachverhaltes aus der Sicht eines Sprechers darstellen oder unabhängig von ihm, die tatsächlichen Eigenschaften eines Sachverhaltes wiedergeben. Im ersten Fall beruht die Beziehung zwischen Substituens und dem bezeichneten Sachverhalt auf einer Bewertung, im zweiten Fall dagegen auf einer realen Beziehung. Hyperbolische Ausdrücke können dabei als Formen der qualitativen oder quantitativen Graduierung betrachtet werden, indem das Ausmaß einer tatsächlichen oder nur in Bezug auf den Sprecher existierenden Eigenschaft eines Sachverhaltes ausgedehnt wird.

Semantisch betrachtet stellt dabei die Beziehung zwischen Substituens und Substituendum eine Synekdoche (z.B. Traumstrände) oder eine Metonymie (z.B. Der Fall Moshammer - eine Münchner Tragödie) dar. Das Substituendum kann einen semantischen Teil des Substituens bilden oder zu diesem in einem kausalen, räumlichen, zeitlichen oder modalen Zusammenhang stehen. Diese Betrachtung folgt zum Teil der Ansicht von Dubois et.al., der die Synekdoche als Bestandteil der Metapher versteht. (vgl. Dubois et.al. 1974, S. 179) Zur Illustration seien folgende Beispiele angeführt.

Ein Begriff graduiert die Bewertung einer Sache

  • “Gut 13 Millionen Touristen suchten im vergangenen Jahr Erholung an den Traumstränden Sri Lankas.” (Spiegel Nr.2/05, S.19) - Gemeint: Strände Sri Lankas
  • “Das Reform-Monster” (Spiegel Nr.1/05, S.24) - Gemeint: HartzIV
  • Er ist ein Ungeheuer. - Gemeint: Eine Person

Ein Begriff graduiert das Ausmaß der Eigenschaft einer Sache

  • “Die Strände Asiens (…) verwandelte die Schockwelle in einen Ort des Schreckens.” (Spiegel Nr.2/05, S.19) - Gemeint: Tsunami, Flutwelle
  • “Von einem Seebeben ausgelöste Monsterwellen hinterließen Verwüstung und Trauer.” (Spiegel Nr.1/05, S.96) - Gemeint: Tsunami, Flutwelle
  • Versorgungsschiff (Spiegel Nr.2/05, S.33) - Gemeint: Kriegsschiff im Hilfseinsatz

Neben den beschriebenen semantischen Gesichtspunkten, wird aus den gegebenen Beispielen ersichtlich, dass die Hyperbel als Einzelwort auftritt, also eine bestimmte formale Gestalt besitzt. Diese soll in den nun folgenden Kapiteln näher beleuchtet werden. Die Beschreibung der Hyperbel als Einzelwort orientiert sich dabei an den grammatikalischen Wortklassen und gliedert sich darauf aufbauend dann im allgemeinem in drei Unterpunkte: Gebrauchsformen, Bedeutungsklassen und Steigerungsformen.

Bei einigen Wortklassen werden diese Unterpunkte im Zusammenhang gesehen und beschrieben, bei anderen dienen formale Gesichtspunkte als Grundlage der Beschreibung der Bedeutungsklassen. Vereinzelt wird auch darauf verzichtet, die genannten Unterpunkte abzuhandeln, da sich eine solche Betrachtung im Hinblick auf die dafür auffindbaren Beispiele als zu differenziert erweist.

Geschrieben am 23.09.2008 in
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